Christoph Schnauß


Öffentliches

OV Stasi: Die Akte - Blatt 6
Hauptabteilung XX 				Berlin, 1. Juli 1989
Abteilung 9 					reu-la

Hauptabteilung XX
Abteilung 1
Leiter

Ihr Schreiben vom 22. Mai 1989, III/hü-schö
zu Schnauß, Christoph
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Entsprechend Ihres Ersuchens wurde beim Treff am 29. 6. 1989 mit der Quelle
über Schnauß gesprochen. Der IM fertigte zu Sch. eine Einschätzung (wird
nachgereicht) und erklärte aus seinen bisherigen Kenntnissen, daß dessen
literarische Arbeiten noch nicht für eine Veröffentlichung geeignet waren.
Dem IM wurde verdeutlicht, daß Sch. in nicht genehmigten, im Selbstverfahren
hergestellten, literarischen Kleinzeitschriften veröffentlicht und sich bereits
mit der Absicht getragen hat, dem Union-Verlag eigene literarische Arbeiten für
eine mögliche Veröffentlichung anzubieten.

In diesem Zusammenhang wurde mit dem IM abgesprochen, im Falle der
Übersendung von Texten des Sch. eine exakte Prüfung vorzunehmen und geeignete
Arbeiten für eine Veröffentlichung auszuwählen.

Die von Ihnen übergebenen Texte wurden aus Gründen der Konspiration dem IM
nicht vorgelegt und werden hiermit zurückgesandt.

Es wird empfohlen, Sch. in geeigneter Form zu veranlassen, eine Auswahl
seiner Arbeiten schriftlich an den Leiter des Union-Verlages zu übersenden, um
danach über einen IM auf eine Veröffentlichung Einfluß nehmen zu können.
Werden Ihrerseits dazu noch konkrete Rücksprachen gewünscht, bitte ich, mit
mir in Verbindung zu treten.
					Leiter der Abteilung
					Reuter
					Oberst


Anlage:

Hauptabteilung XX/7 Berlin, 17. 11. 1987 -ma Einschätzung des Manuskripts (gezeichnet Sch.) - Gedichte und Prosa 24 MS. ------------------------------------------------------------------- I. Zur politisch-ideologischen Aussage: Die Gedichte und Prosaversuche weisen keine deutliche politisch-ideologische Kontur im Sinn von Weltanschauung oder aktueller Positionsbestimmung auf. Der Verfasser nimmt dafür eine stark verinnerlichte Haltug ein, sucht sich offensichtlich selbst zu finden und zu bestimmen,. Er greift dazu auf die Methode der Verfremdung, der Metapher, des Traumhaft-Visionären (im Prosatext) zurück. Lyrik- und Prosaversuche kreisen um den Fragepunkt: Wer bin ich / wie erlebe ich die Realität / was ist diese ? II. Zur künstlerischen Umsetzung / Talentansatz: Nach den hier vorliegenden Texten liegt die Stärke (Talent) des Verfassers eher im lyrischen Bereich, was offenbar aus dessen psychischer Sensibilität herrührt. Namentlich zeigen die Gedichtversuche durchaus Gespür für Motiv, sprachliche Mittel, Rhythmus eines auszudrückenden Gedankens. Eine Talentförderung sollte auf jeden Fall angestrebt werden. III. Textverwendung: Eine vorschnelle Publikation sollte nicht versucht werden. Stattdessen sollte der Autor noch eine größere, differenziertere Auswahl von Texten zur Verfügung stellen (mindestens 30 - 40 Gedichte), woraus dann ein Veröffentlichungs-Vorschlag entstehen könnte. Zeitschriften wären: "Temperamente", "NDL", Bezirkspresse (Kulturbeilage).
Hauptabteilung XX/7 Berlin, 9. 2. 1988 XX/7/IV pö-fr Hauptabteilung XX/1 Leiter Erarbeitung eines Gutachtens Ihr Schreiben vom 20. 10. 87, XX/1/III/hü-ko+ --------------------------------------------- Beiliegend übersenden wir die durch einen Experten-IM gefertigte inoffizielle Einschätzung, aus welcher die politisch-ideologische Position des Autors, sein Talent sowie Möglichkeiten der Veröffentlichung ersichtlich sind. Leiter der Abteilung Gampig Major

 

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